Kurs hal­ten

Kurs hal­ten

 Ob auf hoher See oder in Ihrem Unter­neh­men, Sie errei­chen Ihr Ziel nur, wenn Sie auf Kurs blei­ben. Für auf­tre­ten­de Kon­flik­te heißt das, Kurskorrektur:

Eine nach­hal­ti­ge Lösung ver­hin­dert Schiffsbruch.

In der ver­gan­ge­nen Woche erreich­te mich ein Hil­fe­ruf aus der Gastronomie:

Durch den Lock­down gezwun­gen, hat das Restau­rant kur­zer­hand auf „Hol- und Bringser­vice“ umge­stellt. Der Groß­teil des Per­so­nals befin­det sich in Kurz­ar­beit, man möch­te mit klei­ner Mann­schaft arbei­ten, um etwas Umsatz zu gene­rie­ren. Wer das Essen nicht holen kann, wird beliefert.

Die Küche ist mit einem Koch und sei­nem Lehr­ling besetzt, für das Kas­sie­ren, die Aus­ga­be bzw. Lie­fe­rung sind die Che­fin sowie ihre Fami­lie (Part­ner, Schwes­ter, Nich­te) zuständig.
Tele­fo­ni­sche Bestel­lun­gen möch­te der Koch ent­ge­gen­neh­men, um selbst die Abhol- bzw. Bring­zeit fest­zu­le­gen zu können.

Eini­ge Zeit lief das recht gut, doch je län­ger der Lock­down anhält, um so unzu­frie­de­ner wer­den alle Betei­lig­ten. Die Bestel­lun­gen lau­fen kurz­fris­tig ein, dadurch ist die Pla­nung schwie­rig, man weiß nie, ob und wie oft der Lie­fer­ser­vice benö­tigt wird. So sind die Fami­li­en­mit­glie­der auf „Stand­by“ – eige­ne Plä­ne sind kaum möglich.

Als dann die Che­fin mit ihrem Part­ner einen Wochen­end­trip unter­nahm, eska­lier­te die Situation.

Völ­lig ent­nervt rief der Koch sie an: „So ein Mist, ich habe hier Rost­bra­ten für vier Per­so­nen inkl. Vor- und Nach­spei­se zur Aus­lie­fe­rung und bereits die nächs­te Bestel­lung auf dem Herd. Wer fährt mir das jetzt aus? Soll ich neben der Koche­rei und dem Tele­fon­ser­vice auch noch das Essen durch die Stadt gon­deln? Wie stellst du dir das eigent­lich vor? Ich bin hier allei­ne, der Lehr­ling hat sich krank­ge­mel­det und du chillst 200 km weit entfernt.“

Mei­ne Kun­din hielt das für Meu­te­rei und leg­te kur­zer­hand den Hörer auf.

„Was soll ich schließ­lich von hier aus auch tun?“ mein­te sie und ver­such­te, das Pro­blem zu ver­ges­sen. Gelang natür­lich nicht.

Als dann ihr Part­ner noch ein­warf, er kön­ne den Koch ver­ste­hen, auch er habe kei­ne Lust mehr, stän­dig als Fahr­dienst ein­ge­setzt zu wer­den, er habe schließ­lich selbst eine 40 Stun­den Woche, war die gute Lau­ne dahin – der Abend gelaufen.

Gera­de für die Gas­tro­no­mie ist die der­zei­ti­ge Situa­ti­on eine unglaub­li­che Belas­tung. Um ihr Unter­neh­men auf Kurs zu hal­ten und Schiffs­bruch zu ver­hin­dern, riet ich mei­ner Kun­din zu fol­gen­der Strategie:

Love it, chan­ge it or lea­ve it

Drei simp­le Aus­sa­gen, die jedoch eine gan­ze Palet­te an Mög­lich­kei­ten in sich bergen.

Mög­lich­keit 1: Love it     –   Akzep­tie­re es!

Was bedeu­tet das für mei­ne Kun­din? Ganz ein­fach: erken­nen, dass der Koch tat­säch­lich über­for­dert ist und ent­las­tet wer­den muss. Das „Lie­ben“ steht hier für die Erkennt­nis, einen wirk­lich guten Koch zu haben, der neben tol­len Krea­tio­nen auch fle­xi­bel und zuver­läs­sig sei­ne Arbeit macht. Dar­über hin­aus spricht er offen an, wenn er über­for­dert ist. Er könn­te ja auch ein­fach anders­wo „anheu­ern“. Dafür ist der ein oder ande­ren Wut­aus­bruch viel­leicht in Kauf zu nehmen….

Mög­lich­keit 2: Chan­ge it   –    Ver­än­de­re es!

Soll­te der Koch der Che­fin gegen­über gene­rell respekt­los auf­tre­ten, ist ein Per­so­nal­ge­spräch das geeig­ne­te Instru­ment, um den Kurs zu ändern.

Und jetzt zum Part­ner: Hier muss ein offe­nes Gespräch klä­ren, ob er in Zukunft noch bereit ist, das Unter­neh­men sei­ner Frau in die­ser schwie­ri­gen Zeit zu unter­stüt­zen (schließ­lich pro­fi­tiert auch er davon) oder soll ab sofort ohne ihn geplant wer­den? Ein Ein­satz­plan für den Fahr­dienst lässt jeden Betei­lig­ten erken­nen, an wel­chen Tagen er zustän­dig ist. Das erleich­tert die Gestal­tung der ver­blei­ben­den Frei­zeit und sorgt für mehr Zufriedenheit.

Da im Fami­li­en­kreis auf Bezah­lung ver­zich­tet wird, soll­te mei­ne Kun­din ein „Gud­di“ aus­lo­ben. Wie wäre es mit einem klei­nen Event im Som­mer, um sich bei den Hel­fern zu bedanken?

Mög­lich­keit 3: Lea­ve it      –   Ver­las­se die Situation!

Nun gibt es jedoch auch Din­ge, die man weder ändern noch akzep­tie­ren kann. In sol­chen Fäl­len bleibt als Weg aus dem Kon­flikt nur das Ver­las­sen der Situa­ti­on. Wenn das Gespräch mit dem Koch nicht ziel­füh­rend ver­läuft, muss über eine Tren­nung nach­ge­dacht werden.

Soll­te es mei­ner Kun­din nicht mög­lich sein, einen zuver­läs­si­gen Fahr­dienst auf die Bei­ne zu stel­len und die Ein­stel­lung eines Mini­job­bers unren­ta­bel sein, soll­te sie dar­über nach­den­ken, den Lie­fer­dienst auf­zu­ge­ben. Natür­lich läuft sie dann Gefahr, den ein oder ande­ren Kun­den zu ver­lie­ren – doch der Ver­lust des Part­ners oder des Kochs hät­te weit­aus schlim­me­re Folgen.

Zum Schluss noch ein ganz wich­ti­ger Hinweis:

Ver­än­de­run­gen ver­lan­gen Mut, Geduld und Durchhaltevermögen!

Machen Sie sich bewusst, dass das Bei­be­hal­ten einer unge­lieb­ten Situa­ti­on unwi­der­ruf­lich zum Schiffs­bruch führt. Der Betriebs- oder im o.g. Fall sogar der Fami­li­en­frie­den und nicht zuletzt die Gesund­heit ste­hen auf dem Spiel.

Ver­ant­wor­tungs­vol­les Füh­ren bedeu­tet mutig zu steuern!

Kurs­kor­rek­tu­ren vor­neh­men heißt auch manch­mal schwie­ri­ge Ent­schei­dun­gen zu tref­fen und mit Ver­trau­en in die eige­nen Fähig­kei­ten das Segel zu setzen.

So ent­schei­den Sie, ob der nächs­te Wind­stoß Sie ken­tern lässt oder Sie Ihrem Ziel näherbringt.

Mast- und Schot­bruch wünscht

Ihr Ilo­na-Vogel Team

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